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Die Telefonzelle – Ein Überbleibsel alter Mediennutzung
Von den stickigen Kinosälen und Telefonzellen hin zu den offenen Netzwerken von YouTube und Mobiltelefonen: Während die eine Generation mit Medien in geschlossenen Räumen aufgewachsen ist, wächst heute eine andere Generation auf, die in offenen Netzwerken agiert und denkt.
Wie verstehen wir, die Erwachsenen, die erste Generation der Netzwerkgesellschaft - und wie sprechen wir mit ihren Vertretern? |
Während viele Erwachsene den Unterschied zwischen "neuen Medien" und "alten Medien" kennen, wissen sie nicht immer, was an der Mediennutzung ihrer Kinder neu und anders ist. Daher müssen wir Erwachsenen die Mediennutzung der neuen Generation anders angehen als unsere Eltern damals, als sie sich mit uns befassten. Anlässlich von Konferenzen, Treffen und Veranstaltungen fungieren Bewusstseinsschärfer oft als Mittler zwischen Kindern und Erwachsenen und beschreiben, was genau mit der "Kluft zwischen Generationen in Sachen Mediennutzung" gemeint ist. Wie erklärt man jedoch anderen Erwachsenen den Unterschied zwischen den früheren Kinos und Zeitschriften und den heutigen Mobiltelefonen und dem Internet? Wie können wir hervorheben, wie wichtig es ist, die Medienbenutzung der Kinder aus einer "neuen" Perspektive zu betrachten?
Mit dem zunehmenden Zusammenlaufen von Mediendiensten und -formen verliert der Unterschied zwischen alten und neuen Medien jeden Tag mehr an Bedeutung. Es besteht jedoch noch immer ein großer Unterschied zwischen der "alten Mediennutzung" und der "neuen Mediennutzung". Meistens handelt es sich hierbei auch um den Unterschied zwischen der Mediennutzung durch Kinder und durch Erwachsene. Die viel zitierte Beschreibung Marc Prenskys der digitalen Immigranten und der digitalen Eingeborenen fasst die Situation sehr gut zusammen. Die Kinder sind mit den digitalen Online-Medien als integralem Bestandteil ihres täglichen Lebens aufgewachsen, während die Erwachsenen sich sehr viel später in ihrem Leben an die neue Online-Welt gewöhnen mussten und daher der digitalen Sprache nur mit einem "Akzent" mächtig sind.
Es handelt sich hierbei nicht nur um die Unterschiede in der Mediennutzung durch Erwachsene und Kinder, sondern auch um das Verständnis, die Meinung darüber und im Endeffekt darum, wie wir die Welt um uns herum angehen und darüber denken.
Während die meisten Kinder netzwerkgerichtet denken, strukturiert sich das Denken der Erwachsenen in "Zellen". Wenn man in einer Zelle sitzt, sieht man nicht, was draußen vor sich geht. Umgekehrt sieht auch niemand, was Sie innerhalb der Zelle tun. Es gibt einen großen Unterschied zwischen "drinnen" und "draußen", zwischen "privat in seiner Zelle" oder "öffentlich außerhalb der Zelle" zu leben. Wenn Sie mit der Welt außerhalb Ihrer Zelle in Kontakt treten möchten, greifen Sie zum Beispiel sehr bewusst zum Telefon,
um die Außenwelt zu kontaktieren. Dies beeinflusst natürlich Ihre Meinung über die Welt.
Die Welt der Kinder jedoch setzt sich aus offenen Netzwerken zusammen. Im Leben online gibt es keinen physischen Unterschied zwischen drinnen und draußen, usw. Eine Zelle existiert ganz einfach nicht. Sie müssen sich nicht anstrengen, um Ihre Zelle zu verlassen, weil Sie durch Ihr Mobiltelefon oder Ihre Internetverbindung immer "draußen" sind. Ein Netzwerk ist ein System miteinander verbundener Dinge, die einander trotz physischer Grenzen beeinflussen - und die gemäß einer Reihe verschiedener, vor allem kultureller und sozialer, Prinzipien organisiert sind.
Was hat eine TELEFONZELLE hiermit zu tun? Bei der Vermittlung zwischen Erwachsenen und Kindern benutzen wir die Telefonzelle als Metapher für die "alte Mediennutzung". Wir stellen uns die roten Telefonzellen in den geschäftigen Straßen vor. Etwa 2400 dieser roten Telefonzellen gehören in England zum Kulturerbe. Wenn Sie in eine dieser Zellen treten und die Tür schließen, sind Sie komplett vom öffentlichen Leben abgeschlossen, um Ihr privates Telefongespräch zu führen.
Die Benutzung der Telefonzelle definiert die "alte Mediennutzung" und ist bezeichnend für die Art, wie wir Erwachsenen früher, als Kinder, Medien in beengten Räumen benutzten: Fernsehen nach dem Essen im Wohnzimmer, ein Film am Samstagabend im dunklen Kinosaal, 10 Minuten am Telefon im Wohnzimmer unter der strengen Aufsicht des Vaters, das Buch im Wohnzimmer oder im Bett (Licht aus um zehn Uhr!), usw. Jedes Medium hatte seinen besonderen Platz und seine Zeit innerhalb des Tages, d.h. eine "Zelle", physisch und symbolisch abgeschlossen von der Außenwelt. Genau wie die Telefonzelle, in der die "Privatsphäre" des Telefongesprächs von der Geschäftigkeit des öffentlichen Lebens abgeschnitten ist.
Wie viele Leute benutzen heutzutage noch diese Telefonzellen? Heute gibt es Mobiltelefone, und die Leute führen Privatgespräche in der Straße, ohne sich vom geschäftigen Treiben um sie herum abzuschließen.
Vielleicht sollten wir außerhalb unserer Zellen bleiben, nicht nur buchstäblich, sondern auch symbolisch. Die Kinder wachsen in einer Umgebung auf, die sich durch die Offenheit und Zugänglichkeit auszeichnet, wodurch sie die Welt dementsprechend kennenlernen, verstehen und angehen. Wenn wir Erwachsenen unsere symbolischen Zellen der alten Mediennutzung verlassen und versuchen, diese neue Lernmuster und Methoden, mit der Welt umzugehen, zu verstehen, haben wir bessere Chancen, die erste Internetgeneration zu erreichen.
Schlüsselwörter: Mediennutzung, Kinder und Erwachsene, Internet, digitale, neue Medien, alte Medien, Mobiltelefon Zielgruppe: Fachleute
| Autor: |
Gry Hasselbalch, The Media Council for Children and Young People/Awareness Node Denmark |
| veröffentlicht: |
Monday, 24 Nov 2008 |
| Letzte Änderung: |
Monday, 15 Dec 2008 |
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