| |
|
Neues Leben für alte Labels
Die Wiederauferstehung von ICRA - Rating und Filtering Die internationale Non-Profit-Organisation ICRA ("Internet Content Rating Association") begann in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre mit der Förderung ihres Self-Rating & Filtering-Konzeptes und wurde dabei u.a. von Microsoft, Netscape/AOL, British Telecom sowie von der Europäischen Union für ihr revolutionäres Konzept zum Jugendschutz im Internet unterstützt. |
Dieses Konzept basiert darauf, dass die Entscheidung, ob eine Website für ein bestimmtes Kind geeignet ist, zwischen dem Betreiber der Website und den Erziehungsberechtigten des Kindes fällt. Der Webmaster integriert dazu einen maschinenlesbaren Code in seine Website, in dem er möglichst objektiv beschreibt, welche potentiell unerwünschten Inhalte seine Site enthält, wie etwa "Nackte Brüste", "Darstellung von Alkoholkonsum" oder "Gotteslästerung und Flüche". Insgesamt gibt es derzeit 37 solcher Deskriptoren. Auf der anderen Seite können die Eltern in einer speziellen Software einstellen, welche Arten von Inhalten sie für ihre Kinder als geeignet erachten und welche nicht. Die Software entscheidet dann auf Basis dieser Einstellungen, ob eine Website im Browser angezeigt werden darf.
Während die Vorteile des Systems auf der Hand liegen (effizient, demokratisch, kostenlos, unabhängig von Sprache oder Betriebssystem, transparent, kulturunabhängig und somit weltweit einsetzbar), sind gelabelte Seiten schwer zu finden. Überdies war der Anspruch, damit das gesamte Internet kindersicher zu machen wohl etwas zu hoch gegriffen, dazu kamen auch noch Probleme der User mit der Software, insbesondere mit der Komplexität der erforderlichen Einstellungen.
Inzwischen wurde ICRA zu FOSI ("Family Online Safety Institute"), gewann neue Unterstützer (z.B. France Telecom und Télefónica) und arbeitet intensiv an einer Erweiterung des ICRA-Standards: Hinkünftig sollen auch die User und andere Stakeholder in der Lage sein, die Sites zu labeln. Ein zentraler Server ermittelt dann, wie vertrauenswürdig die Labels sind, die eine Site von ihren Usern bekommen hat. So werden die Kraft des Web 2.0 für den Jugendschutz nutzbar gemacht und die Theorien des Semantic Web in die Tat umgesetzt.
Auf der Userseite unterstützen der österreichische Providerverband ISPA (der auch Saferinternet.at Partner ist) und das Zentrum für Innovation und Technologie der Stadt Wien (ZIT) das Open Source Projekt "confoki", das derzeit in enger Kooperation mit FOSI entwickelt wird. confoki wird ein einfach zu installierendes Browser-Plugin für Firefox und Internet Explorer zur Verfügung stellen, in dem die Eltern entweder selbst ihre Einstellungen treffen oder auf Voreinstellungen vertrauenswürdiger Organisationen (z.B. von Elternverbänden) zurückgreifen können.
Der zweite Teil von confoki beantwortet dann die Frage, wie man eigentlich Seiten finden kann, die über Labels verfügen: Eine eigens entwickelte Search Engine wird ausschließlich gelabelte Seiten in ihren Index aufnehmen und in Abstimmung mit dem Plugin nur Seiten anzeigen, die den Einstellungen des Users entsprechen. Dadurch wird es für Webmaster auch attraktiver, ihre Seiten zu labeln, denn dann steht ihnen die Suchmaschine auch als zusätzliche Werbemöglichkeit zur Verfügung. In der ersten Version von confoki, deren Release für Herbst dieses Jahres geplant ist, werden ausschließlich noch die "alten" ICRA-Labels verwendet, sobald der neue Standard online ist wird confoki dann auch diesen unterstützen.
confoki: http://www.confoki.org/ ISPA: http://www.ispa.at/ FOSI: http://www.fosi.org/
| Autor: |
Michael Eisenriegler (ISPA - Internet Service Providers Austria) |
| veröffentlicht: |
Monday, 14 Jul 2008 |
| Letzte Änderung: |
Tuesday, 29 Jul 2008 |
|
|