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Mediappro – ein Kommentar für den Insafe Newsletter
Das kürzlich beendete Forschungsprojekt Mediappro informiert einzigartig darüber, wie Jugendliche aus ganz Europa neue Formen der Onlinetechnologie einsetzen. Das Vorhaben war sehr ehrgeizig - Erfassen neuer Daten (sowohl qualitativ als auch quantitativ) in neun verschiedenen Ländern um das Verständnis über das Leben der Jugendlichen in einer sich schnell verändernden Medien- und Kommunikationsumgebung zu verbessern und Schaffen von Bewusstsein bezüglich Sicherheit und Medienfertigkeit. |
Besonders geschätzt wird Mediappros kinderzentrierte Forschungsarbeit, die verschiedenste Methoden miteinander verbindet und mit angenehm ruhiger Stimme im Gegensatz zur "moralen Panikmache" spricht, die so manche Strategie ins Wanken bringt. Der Kontext des Einsatzes der Medien ist wesentlich; Veränderungen in sozialen Beziehungen laufen langsamer ab als technologische - Evolution statt Revolution.
Wir leben in einer Welt, die Ulrich Beck als "die Risikogesellschaft" bezeichnet: die Möglichkeiten und Risiken, die neue Medien bieten, gehen Hand in Hand - um von den Onlinemöglichkeiten profitieren zu können muss die Gesellschaft daher die Risiken verwalten, denn die Angebote für Jugendliche zu beschränken ist kaum eine Option. Doch um welche Möglichkeiten und Risiken sollten sich die EuropäerInnen am meisten sorgen?
Alle Länder haben unterschiedliche Wertvorstellungen. "Mobbing" und "Pornographie", um nur zwei Risiken herauszugreifen, werden in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich interpretiert - sogar die Übersetzungen stimmen nicht vollkommen überein. Kultur ist wichtig: die Bedenken betreffend Rassismus oder Pädophilie sind aus komplexen und verständlichen Gründen in den einzelnen Ländern sehr verschieden. Sogar innerhalb eines Landes stellt sich die Frage der Interpretation: Kinder und Eltern stimmen oftmals nicht überein: die Gefahren, die Eltern sehen, wie Freunde online zu treffen, Musik herunterzuladen, persönliche Informationen anzugeben, sind genau jene Punkte, die die Kinder als Möglichkeit und Chance sehen. Dadurch erklärt sich auch die unbehagliche Tatsache, dass Forschungsarbeit im Moment noch nicht nachweisen konnte, dass elterliche Regeln oder pädagogische Interventionen tatsächlich Risiken reduzieren.
Da wir verschiedentlich die Ergebnisse von Mediappro nutzen, sind vergleichende Fragen von größter Wichtigkeit. Wie sehen die regionalen oder nationalen Ähnlichkeiten und Unterschiede beim Einsatz von neuen Technologien unter Kindern in den einzelnen europäischen Ländern aus? Spiegeln diese anhaltende kulturelle Verschiedenheiten (Werte, Erziehung, Einstellung) oder eher die Unterschiede in deren Verbreitung dar, weil sich alle Länder auf dem gleichen Weg zur vollständigen Umsetzung und lediglich an unterschiedlichen Etappen des Prozesses befinden?
Das Mediappro Projekt weist uns auf einige Diskrepanzen zwischen der Auffassung von Risiken und Möglichkeiten von Eltern und Kindern hin. Darüber hinaus informiert das Projekt darüber, dass immer mehr Inhalte verfügbar sind - die kritischen Fertigkeiten für deren Bewertung jedoch auch von der "digitalen Generation" nicht ausreichend beherrscht werden und dass sich Eltern und die Schule die Aktivitäten und Verantwortungen bezüglich Bewusstseinssteigerung gegenseitig zuspielen. Die Auseinandersetzungen mit diesen Problemen scheint ein guter Ausgangspunkt zu sein, wenn man verstehen möchte, wie die einzelnen europäischen Länder die Bewusstseins- und Sicherheitsinitiativen verstehen und umsetzen. Sonia Livingstone, Abteilung für Medien und Kommunikation, London School of Economics and Political Science
| veröffentlicht: |
Tuesday, 1 Aug 2006 |
| Letzte Änderung: |
Thursday, 7 Sep 2006 |
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