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Freiheit und Verantwortung

Steht die Sicherheit von Einzelpersonen in Widerspruch zur persönlichen Freiheit und der Informationsfreiheit? Dieser wichtigen Frage müssen sich Personen, die sich mit der Internetsicherheit beschäftigen, oft stellen.

Das Problem ist nicht neu, das Internet hat jedoch durch die Schnelligkeit und Leichtigkeit, mit der die Informationen abgerufen werden können, zusätzliche Herausforderungen geschaffen. Durch die Art und Weise, wie Standpunkte online ohne Korrektur oder Autorität vorgestellt werden können, wird es sehr schwierig, sie nicht als ebenbürtig anzusehen, obwohl sie fehlerhaft oder sogar boshaft sein können.

Als John Stuart Mill sich für die völlige Freiheit jeder Form von Informationen oder Meinungen einsetzte, bezog er sich gänzlich auf das Konzept der individuellen Verantwortung. Man kann Zugang zu allem haben, solang man bereit ist, die Folgen zu akzeptieren. Er fügte jedoch die folgende Ausnahme hinzu:  „Es ist vielleicht fast überflüssig zu erwähnen, dass diese Lehre nur für Menschen in voller Reife ihrer Fähigkeiten bestimmt ist. Wir sprechen nicht von Kindern oder Jugendlichen, die das vom Gesetz festgelegte Alter der Volljährigkeit noch nicht erreicht haben. Jene, die sich noch in einem Zustand befinden, in dem andere sich um sie kümmern müssen, müssen gegen ihre eigenen Handlungen sowie gegen äußerliche Verletzungen beschützt werden.“ (“On Liberty”)

Was bedeutet dies jetzt konkret für uns im Zusammenhang mit der kürzlich vom British Medical Journal veröffentlichten Untersuchung über die Art und Weise, wie Suchmaschinen Sites über Selbstmord auflisten? Die BBC berichtete hierüber unter dem Titel: Fears over pro-suicide web pages (Bedenken über Selbstmord befürwortende Websites) . Ein rasche Zusammenfassung der Resultate zeigte, dass es fast ebenso viele Websites gibt, die Selbstmord befürworten, als solche, die sich diesem entgegensetzen. Die folgende Graphik, die aus den Resultaten hervorging, zeigt, wie ForscherInnen den Inhalt von Selbstmordsites einordnen, von Selbstmord als Modererscheinung bis hin zur Entmutigung, Selbstmord zu begehen...

graph of suicide sites content

Jemand, der Selbstmord in Betracht zieht, konnte per Definition nicht als jemand angesehen werden, der sich in Kontrolle seiner Fähigkeiten befinden. Jede Selbstmordtendenz wird als Teil einer Geisteskrankheit angesehen.

Ebenso können Personen, die Hilfe bei Essstörungen suchen, Sites finden, die die Größe 0 verherrlichen, sowie auch Sites, die vernünftige Ratschläge geben. Im Insafe-Netzwerk zum Beispiel betreibt der spanische Knotenpunkt Protegeles spezielle Beratungsstellen, um Fragen über Anorexie und Bulimie zu beantworten. (www.masqueunaimagen.com). Andere Forschungen haben ergeben, dass das Internet für Menschen, die an Krankheiten leiden oder sich davon erholen, eine wunderbare Unterstützung sein kann. (siehe BBC Artikel: "Websites bolster chronically ill" (Websites unterstützen chronisch Kranke)).

Der finnische Insafe-Knotenpunkt Save the Children Finland ist mit dem guten Beispiel vorangegangen und hat nach einer tragischen Schulschießerei und um Weihnachten, einer besonders hektischen Zeit für viele Jugendliche, Online-Chats organisiert. Im September 2007 hat die Kinderschutzorganisation „Mannerheim League for Child Welfare”, die ebenfalls Teil des finnischen Insafe-Knotenpunkts ist, auf der virtuellen Gemeinschaft Habbo eine Gruppenchatkampagne durchgeführt. Die Gruppenchats behandelten sechs Abende lang während drei Stunden das Thema Cyberbullying. Die Diskussionen wurden von Freiwilligen des Kinder- und Jugendtelefons geleitet.

Wie kann man eine Website auswählen, wenn man Tausende von Websites findet, die einem Hilfe für ein bestimmtes Problem anbieten? Die Antwort liegt, letztendlich, in einer besseren Medienbildung, die den Einzelpersonen ermöglicht zu bestimmen, welche Sites die Mühe wert sind und welche nicht.

Ebenso interessant ist die Tatsache, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit Themen zuwendet, die als unpassend angesehen werden könnten, wie zum Beispiel dem “Miss Bimbo Spiel” für Mädchen ab 9 Jahren. Dies hat die Anbieter der Website dazu geführt, Änderungen vorzunehmen. („Auf die recht überaschende Aufmerksamkeit der Medien hin haben wir beschlossen, die Option, die den Einkauf von Diätpillen ermöglicht, aus dem Spiel zu entfernen.“www.missbimbo.com) Das erhöhte Bewusstsein wird Früchte tragen und es ist Teil der Aufgabe von Insafe, die Medienkompetenz und die positiven Aspekte des Internets zu fördern sowie die Bedrohungen für die Sicherheit von Einzelpersonen hervorzuheben.


Autor: Chris Jenkins, INSAFE
veröffentlicht: Tuesday, 22 Apr 2008
Letzte Änderung: Friday, 30 May 2008
 
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